Prüfungsorgien in der Pandemie

Samstag, 5. Juni 2021

In den Pandemiezeiten mit hohen Inzidenzen verging kein Tag, an dem nicht die Leistungen der Ärzte herausgehoben wurden. Sowohl Politik als auch Standesvertretungen wurden nicht müde, zu betonen, wieviele Coronafälle neben der normalen Tätigkeit besonders von den niedergelassenen Ärzten abgefangen wurden. Auch deren Engagement beim Impfen brachte erst den Durchbruch im Kampf gegen die Seuche. Doch kaum fallen die täglichen Horrorzahlen, wird die Büchse der Pandora von allen Seiten geöffnet und es werden Prüfarten eingeführt, bei denen man sagen muss, sie können nur ersonnen sein von Menschen, die Ärzte als vielverdienende Faulpelze ansehen. Auch die KBV zögert nicht und haut sofort in die gleiche Kerbe, damit ja wieder der sonst übliche vorauseilende Gehorsam dem Bundesgesundheitsministerium gegenüber an den Tag gelegt wird. Ärzte sollen nicht nur geprüft werden, wenn sie zuviel, nein, auch dann, wenn sie angeblich zuwenig arbeiten. Wir haben in der Hochzeit der Pandemie in vorderster Reihe gestanden und vieles abgefangen von den großen medizinischen Problemen, die Deutschland hatte und noch hat. Und ich kenne keinen, der in dieser Zeit auf die Uhr gesehen hat. Aber es ist wie bei den Pflegeberufen, wenn die Angst nur groß genug ist, wird auf dem Balkon geklatscht. Kaum ist nur etwas Land in Sicht, kann wieder munter auf die Akteure eingeschlagen werden. Es ist eine Schande, dass die KBV nicht wie ein Mann aufsteht und sowohl dem Minister als auch den Kassen die Stirn bietet und aufzeigt, wem die Erfolge eigentlich zu verdanken sind.

Dr.med.Dr.rer.nat.Herbert Baake